Vom Krassfuchs zum Alten Herrn
 (Der Werdegang eines Farbenstudenten)

In den ersten Wochen seines Studiums sieht sich ein "Erstsemestler" neben allem anderen - häufig recht hilflos - auch mit einer Vielzahl studentischer Gruppen und Vereinigungen der verschiedensten Ausrichtungen konfrontiert. Die studentischen Korporationen unter ihnen empfindet er in aller Regel als etwas Neues, Fremdes, Unverständliches, dem man mit Skepsis begegnet. Vielfach ist er jedoch auch durch subjektiv und weltanschaulich gefärbte, verallgemeinernde Presseberichte negativ vorbelastet. So muß er sich schon ein gerüttelt Maß an Eigeninitiative, Neugier und Willen zu eigener Meinungsfindung bewahrt haben, um sich in die Höhle des Löwen zu wagen und an einer korporativen Veranstaltung teilzunehmen. Hat er dort -und in Gesprächen mit den Verbindungsstudenten- einmal festgestellt, daß es sich eigentlich um ganz vernünftige und normale Leute handelt, die zudem einiges an Freundschaft und Unterstützung anzubieten haben, entscheidet er sich vielleicht doch, sich (zunächst unter Vorbehalt) mit einer Verbindung einzulassen.

Wenn er nun einer Korporation beitritt, wird er als Krassfuchs in die Reihe der Farbenstudenten aufgenommen. Die Fuchsenzeit in einer modernen Verbindung ist gedacht als Probezeit, in der der Student die Möglichkeit hat, sich versuchsweise am Korporationswesen zu beteiligen. Sie dient - unumwunden zugegeben - aber auch dazu, dass die Verbindung ihn kennen lernt und sich überzeugen kann, ob es ihm mit seiner Entscheidung ernst ist und er in ihren Kreis paßt. Bei allem hilft ihm neben den übrigen vor allem ein älterer Bundesbruder, der Fuchsmajor. Dessen Aufgabe ist es, die jungen Bundesbrüder in persönlichen Gesprächen und im Rahmen von Fuchsenstunden in das Farbenleben und in die Grundsätze der Korporationen einzuführen. Nach einem Farbensemester legt der Krassfuchs die "Brandungsprüfung" ab und ist von da an Brandfuchs. Bei der Brandungsprüfung soll der Fuchs Kenntnis vom Wesen und der Historie des Farbenstudententums, vom Comment als Grundlage des farbenstudentischen Zusammenlebens sowie der Geschichte und den Besonderheiten der Verbindung"(vgl. Ziffer 3 der GO der StV Rheno-Germania e.V.) unter Beweis stellen.

Nach gewöhnlich zwei Farbensemestern wird der Fuchs Bursche. Wenn er die Zeit genutzt hat, hat er seinen Bund kennen gelernt und dabei persönliche Freundschaften geschlossen. Die älteren Burschen haben sich während zweier Semester ein Bild von ihm gemacht und beschließen nach seiner Burschenprüfung seine endgültige Aufnahme in die Verbindung. In der Burschenprüfung sollen in zwei Teilen farbenstudentische sowie allgemein-politische und gesellschaftliche Kenntnisse gezeigt werden. Nach seiner feierlichen Burschung mit dem Ablegen des Burschenversprechens auf das Banner und die Farben der Verbindung hat der Jungbursche Sitz und Stimme im Burschen-Convent (BC) seiner Korporation. Er kann nun zum Chargierten gewählt werden, das heißt eines der Ämter übernehmen, welche die Verbindung vergibt. Jeder Bursche ist berechtigt, die Korporation offiziell zu vertreten.

Das wohl wichtigste dabei ist: Der Farbenstudent schließt sich dem Freundschaftsbund seiner Korporation auf Lebenszeit an, das heißt die einmal geschlossene Freundschaft reißt am Ende des Studiums nicht ab, sondern sie wird auch noch nach Eintritt in das Berufsleben bewahrt und vertieft, wie sich der Kreis der Freunde stetig durch jüngere Bundesbrüder erweitert.

Nach Beendigung des Studiums wird der Bundesbruder i.d.R. Inaktiver Bursche (iaB), kann auf Wunsch hin aber auch weiterhin aktiver Bursche bleiben. In Ausnahmefällen kann ein Bursche sich auch während des Studiums inaktiv erklären lassen (beispielsweise während der Vorbereitung und Anfertigung seiner Diplomarbeit). Das bedeutet nicht etwas einschneidendes, sondern besagt nur, dass er fortan nicht mehr verpflichtet ist, die Pflichtveranstaltungen (wie Semesterantritts- oder Semester-Ex-Kommers oder die Convente) wahrzunehmen. Sind iaB auf einem Convent anwesend, haben sie aktives und passives Wahlrecht. Um aber sicherzustellen, dass in erster Linie die aktiven Burschen die Wege der Aktivitas bestimmen, sind "Beschlüsse des Burschen-Convents, an denen inaktive Burschen beteiligt sind, (...) nur wirksam, wenn auch die absolute Mehrheit der aktiven Burschen zugestimmt hat." (Vgl. Punkt 18.1 GO der StV Rheno-Germania e.V.)

Zwei Jahre nach Beendigung seines Studiums wird ein Bursche in den Altherren-Verband unserer Korporation übernommen. Er wird Alter Herr. Die Altherrenschaft und die Aktiven arbeiten in echter bundesbrüderlicher Gemeinschaft zusammen, ohne daß die eine oder andere Seite auf die Selbstständigkeit oder Entscheidungsfreiheit der anderen einzuwirken versucht.

Übrigens & wichtig:
Auch wer - aus welchen Gründen auch immer - sein Studium nicht zu Ende bringt oder vorzeitig ins Berufsleben wechselt, kann (und soll) als Bursche in der Verbindung bleiben. Der einmal erklärte Freundschaftsbund scheitert nicht an Formalien.